Sonntag, 26. September 2021, 11 Uhr, Auditorium Thon Dittmer Palais

Mandelring Quartett

Joseph Haydn (1732 – 1809)

Streichquartett op.76,2 „Quintenquartett“

Anton Webern (1883 – 1945)

Langsamer Satz für Streichquartett (1905)

Nikolai Andrejewitsch Roslawez (1881 – 1944)

Streichquartett Nr. 3

Maurice Ravel (1875 – 1937)

Streichquartett in F-Dur op. 35

Foto©Guido Werner

Das Quintenquartett Joseph Haydns hat seinen Namen vom einleitenden Allegretto, in dem insgesamt 74 mal Quintschritte vorkommen. Dies soll Haydn nach einer Englandreise in Erinnerung an den Glockenschlag des Big Ben so vertont haben. Der etwas unheimlich klingende dritte Satz wurde „Hexen-Menuett“ getauft und im Schlusssatz wird es – wie öfters bei Haydn – ungarisch.

Anton Webern war ein österreichischer Dirigent und Komponist, der bei Arnold Schönberg studierte. Wegen seiner kompromisslosen künstlerischen Haltung galt er den Nationalsozialisten als „Kulturbolschewist“, was nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 seine öffentliche Karriere beendete. 1945 wurde er von einem amerikanischen Sol- daten versehentlich erschossen. Zusammen mit Schönberg und Alban Berg gilt er als wichtiger Vertreter der modernen oder Zweiten Wiener Schule, die neben der Musik von Ravel eine Inspiration für Nikolai Roslawez war.

Eine Aufführung seines Langsamen Satzes hat er selbst nicht erlebt. Dieses Frühwerk Weberns ist noch durch die spätromantische Tradition geprägt.

Ebenfalls nur aus einem Satz besteht das Streichquartett Nr. 3 von Nikolai Roslawez. Es entstand 1920 und damit in einer Zeit, in der das kommunistische System avantgardistische Kunst noch unterstützte.

Mit seinem 1902 und 1903 entstandenen Streichquartett bewarb sich der 28jährige Maurice Ravel beim renommierten französischen Komponistenwettbewerb Prix de Rome und löste damit einen Eklat aus, weil er vielfach gegen tradierte Kompositionsnormen verstieß. So kommt zum Beispiel bereits im zweiten Satz ein Scherzo – gewohnt ist man das im dritten Satz. Dieses baskisch anmutende Scherzo beginnt außerdem mit einem Pizzicato aller vier Streicher, auch ungewöhnlich. Bei Ravels Lehrer Fauré, dem es gewidmet ist, stieß das Werk nicht auf Begeisterung. Gleichwohl gilt es als früher Geniestreich, dem man die Vorbilder Ravels – Mozart, Schubert und Debussy – mit seiner Leichtigkeit und Eleganz anmerkt.